Nominale Rigiditäten

From Wiwiwiki.net
Jump to navigationJump to search
Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --Florianfischer 21:33, 28. Apr. 2008 (CEST)

Nominale Rigiditäten bezeichnen starre Nominallöhne auf dem Arbeitsmarkt sowie starre Warenpreise auf dem Gütermarkt. Sie gelten auch als zeitweilige Inflexibilitäten oder Anpassungsverzögerungen bei einer Störung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts, denn in modernen Volkswirtschaften werden viele Löhne und Preise für einen bestimmten Zeitraum festgelegt und können so auf politische Veränderungen nicht reagieren.


Nominale Rigiditäten und die Neutralität des Geldes

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt wird durch den Gütermarkt bestimmt, welcher wiederum kurzfristig vom Vermögensmarkt gesteuert werden kann. Langfristig werden im monetären Sektor jedoch nur die Geldpreise bestimmt und es ergeben sich keine Auswirkungen auf die realen Märkte. Geldpolitische Maßnahmen sind damit ineffizient, Geld ist auf lange Sicht neutral.

Kurzfristig ist Geld jedoch nicht neutral und nominale Rigiditäten liefern hierfür die beste Erklärung. Die aggregierte Nachfrage ist in kurzer Frist eine Kerndeterminante realer Wirtschaftsaktivitäten und begründet damit positiv, dass ökonomische Schwankungen nicht unabhängig von der Geldpolitik sind und normativ, dass die Geldpolitik die aggregierte Nachfrage steuern soll, um effiziente makroökonomische Ergebnisse zu erzielen. Treten kurzfristige Schwankungen auf, so verhindern die nominalen Rigiditäten eine Markträumung und lassen eine Unterbeschäftigung sowie ein positives Angebot entstehen, was reale Effekte der monetären Politik impliziert.


Preisrigiditäten

Für die Bildung von nominalen Preisrigiditäten sind die folgenden drei Aspekte maßgebend, wobei allgemein hin kleine nominale Friktionen auf individueller Ebene einen großen Effekt auf die Gesamtwirtschaft ausüben.

Unvollkommene Konkurrenz

Um die Trägheit der Preisanpassung zu erfassen ist es nötig, von monopolistischen Rahmenbedingungen auszugehen. Dabei agieren die Wirtschaftssubjekte als Preissetzer und nicht als Preisnehmer, sie haben eine Preissetzungsbefugnis.

Bei monopolistischer Konkurrenz ist der Gleichgewichtspreis höher als die Grenzkosten, was nichts anderes bedeutet als dass die monopolistische Macht der Unternehmer ein suboptimales Produktionsvolumen impliziert. Das Produktionsvolumen wird von der Nachfrage bedingt, das heißt rational entscheidende Unternehmer werden mehr produzieren, solange die Nachfrage steigt und die Grenzkosten kleiner als die Grenzerlöse bleiben. Die daraus resultierende Differenz zwischen dem gleichgewichtigen und optimalen Produktionsvolumen zeigt dann asymmetrische Effekte von Rezession und Aufschwung für den sozialen Wohlstand auf. Bei einer Erhöhung der Produktion wird die Wohlfahrt steigen, bei einem Produktionsabbau ist dagegen mit zusätzlichen Wohlfahrtsverlusten zu rechnen. Eine Politik der Nachfragestabilisierung ist daher wünschenswert.

Menu Costs / Near Rationality

Die „Menu Costs“ oder Menukosten stellen als kleine Friktionen auf mikroökonomischer Ebene eine Metapher für die kleinen fixen Kosten einer nominalen Preisänderung dar. Nach dem Konzept der „Near Rationality“ werden Unternehmer aus Informationskostenüberlegungen auf kleine Profite verzichten, welche durch eine Abweichung ihrer Preise vom optimalen Niveau entstehen.

Im Zusammenspiel dieser beiden Konzepte wird klar, dass rational agierende Wirtschaftssubjekte ihre Preise nicht ändern werden, wenn die Preisanpassungskosten größer sind als die aus der unterlassenen Anpassung ihrer Preise resultierenden Profitverluste.

Da eine monopolistische Konkurrenz aggregierte Nachfrageexternalitäten erzeugt und private und soziale Gewinne aus einer Preisanpassung divergieren, generieren die kleinen Kosten der Preisanpassung makroökonomisch relevante Wirkungen.

Reale Rigiditäten

Reale Rigiditäten sind als geringe Elastizität des relativen Preises zu einer aggregierten Nachfrageveränderung definiert. Sie reduzieren damit die Kosten einer Nicht-Anpassung des Preises und stärken damit die nominalen Rigiditäten.


Lohnrigiditäten

Lohnrigiditäten sind fundiert in Arbeitsverträgen mit langer Laufzeit. Durch eine erhöhte Lohnflexibilität würden sich folglich die nominalen Rigiditäten stark verringern, jedoch sprechen die Kosten von Vertragsverhandlungen gerade für längerfristige Arbeitsverträge. Insbesondere bei Kollektivverträgen wie den Tarifverträgen müssen mögliche Streiks und Ausschließungen sowie die dabei entstehenden Kosten bei der Entscheidung über die Laufzeit eines Vertrags unbedingt berücksichtigt werden.

Die nominalen Rigiditäten auf dem Arbeitsmarkt müssten somit zum Beispiel in den U.S.A, wo Kollektivverträge längerfristige Geltung haben, wesentlich gravierender sein als in Großbritannien oder Japan, wo Kollektivverträge normalerweise jedes Jahr neu verhandelt werden.

Ansatz nach Stanley Fischer

Nach Fischer sollten geplante disinflationspolitische Maßnahmen schon sehr früh angekündigt werden, sonst würde selbst eine absolut glaubwürdige Politik zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote führen. Da eine Anpassung der Inflationserwartungen auf das angekündigte Ziel der Zentralbank noch nicht zu einer Abnahme der bereits vorher festgelegten und für eine gewisse Dauer festen nominalen Löhne führt, würden die Reallöhne bei einer Senkung der Inflationsrate zunächst steigen und die Arbeitslosenquote würde sich erhöhen. Rechtzeitig angekündigte disinflationspolitische Maßnahmen könnten nach Fischer aber bereits in den Lohnverhandlungen berücksichtigt werden.

Ansatz nach John Taylor

Diese Überlegungen führte Taylor weiter aus und stellte fest, dass Lohnverträge nicht alle zur gleichen Zeit abgeschlossen werden. Es ist dabei eher eine zeitliche Staffelung (staggered) zu beobachten. Überdies sind viele Arbeitnehmer bei Abschluss eines solchen Kontrakts nicht nur an ihrer eigenen Situation interessiert, sondern auch an der Relation ihres Reallohns zu dem anderer Arbeitnehmer. Die so ausgehandelten Verträge werden sich deshalb nicht gravierend von bereits bestehenden Lohnvereinbarungen unterscheiden und beinhalten damit auch indirekt die Inflationserwartungen aus der Vergangenheit. Im Vergleich zu Fischers Ansatz sind die Schwierigkeiten einer disinflationspolitischen Maßnahme deshalb wesentlich größer und so sollte diese graduell durchgeführt werden. Die Arbeitslosigkeitskosten einer Reduzierung der Inflationsrate könnten hierbei gesenkt werden, indem die Lohnsetzer Zeit erhalten, um die geplanten politischen Änderungen zu berücksichtigen.

Taylors Modell zeigt jedoch vor allem eines: Reale Wirkungen der Geldpolitik liegen in einer Volkswirtschaft mit vorausschauenden und rationalen Wirtschaftssubjekten in den nominalen Rigiditäten begründet.


Literatur

Blanchard/Illing, Makroökonomie, Pearson Studium, 2006, 4. Auflage

Klatt, Einführung in die Makroökonomie, Oldenbourg Verlag, 1989, 2. Auflage


Weblinks

http://www.diss.fu-berlin.de/2004/195/kap6.pdf

http://www.economics.phil.uni-erlangen.de/lehre/lehrmaterialien/vwl/ss2007/makroIII/kapitel07.pdf