Disinflation

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Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --Steven Sturmheit 21:05, 29. Apr. 2008 (CEST)

Unter einer Disinflation versteht man einen deutlichen und kontinuierlichen Rückgang der Inflationsrate bzw. eine Verringerung des Preisniveauanstiegs. Dies bedeutet, dass die Geschwindigkeit von Preissteigerungen abnimmt. Häufig wird die Disinflation (Rückgang der Inflationsrate) fälschlicherweise mit der Deflation (Rückgang des Preisniveaus) verwechselt.


Entstehung der Disinflation

Circa drei Jahrzehnte ist nun schon ein Rückgang der Inflationsraten weltweit zu beobachten. Zurückführen könnte man die Disinflation einerseits auf die "Große Inflation" bzw. den "Ölpreisschock" der 70er Jahre, andererseits könnte eine Beschleunigung der Globalisierung mit ihrer preisdämpfenden Wirkung Ursache des Disinflationsprozesses sein. Durch sich verschärfende internationale Konkurrenz haben Arbeitnehmer vor allem in Industrieländern Lohnzurückhaltung geübt aus Befürchtung vor Arbeitsplatzverlagerungen in sogenannte Niedriglohnländer.


Auswirkung der Disinflation

Der Nachteil einer Disinflation liegt in der Tatsache, dass die Notenbank die Leitzinsen tendenziell zu hoch hält. Entscheidet sich die Zentralbank der Reduktion der Inflationsrate entgegenzuwirken, muss sie mit Produktionswachstumseinbußen rechnen. Weiterhin führt Disinflation zu höherer Arbeitslosigkeit.


Taylor-Modell

Nach Stanley Fischer würden die Reallöhne nach einer Senkung der Inflationsrate zunächst ansteigen was zur Folge hätte, dass die Arbeitslosenquote sich selbst bei einer völlig glaubwürdigen Disinflationspolitik erhöht. John B. Taylor[1], US-amerikanischer Professor für Volkswirtschaft an der Stanford University, entwickelte den von Stanley Fischer entwickelten Ansatz erheblich weiter.

Taylor beobachtete, dass Lohnverträge gestaffelt (staggered) und nicht zur gleichen Zeit abgeschlossen werden. Angeblich würden die zeitlich gestaffelten Lohnkontraktabschlüsse (staggering of wage decisions) die Möglichkeiten einer Disinflation erheblich beschränken.

Deshalb sollten in die aktuellen Lohnverhandlungen indirekt auch die Inflationserwartung aus der Vergangenheit einfließen und den einzelnen Tarifparteien sollten für die Verhandlungen mehr Zeit gegeben werden. Denn eine allmähliche aber dadurch glaubwürdigere Disinflation verursacht eventuell geringere Arbeitslosigkeitskosten.

Aufgrund der zeitlichen Staffelung von Lohnverträgen demonstriert Taylor, dass somit möglicherweise ein Rückgang der Inflationsrate ohne Anstieg der Arbeitslosenquote möglich ist. Voraussetzung für diesen Gedanken ist jedoch, dass die Zentralbank einen Weg für die Inflationsraten wählt, wie er in folgender Abbildung zu sehen ist.

Disinflation ohne Arbeitslosigkeit im Taylor-Modell


Demzufolge müsste die Zentralbank die Inflationsrate anfänglich relativ langsam absenken. Somit ist die Inflationsrate nach einem Jahr (Quartalspunkt 4) bei 9,9%, nach dem zweiten Jahr (Quartalspunkt 8) und dem dritten Jahr (Quartalspunkt 12) ist sie weiter rapide gesunken. Schließlich hat die Zentralbank am Ende des vierten Jahres (Quartalspunkt 16) das angestrebte Ziel erreicht.

Taylor zeigt demnach, dass bei zeitlicher Staffelung von Lohnkontrakten eine Disinflationspolitik allmählich durchgeführt werden muss, um ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Weiterhin beinhaltet seine Theorie wichtige Anhaltspunkte, wie das Opferverhältnis durch geplante und zielgerichtete Erwartungssteuerung verringert werden kann.


Disinflation in den Vereinigten Staaten (1979 - 1985)

Federal Funds Rate (Leitzins) und Inflationsrate in den USA, 1979 - 1984

1979 betrug die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten 13,3%. Es herrschte eine Arbeitslosenquote von 5,8% und das reale BIP wuchs um 2,5%. Vor allem die außergewöhnlich hohe Inflationsrate war für die amerikanische Zentralbank FED Grund genug, das Wachstum der Geldmenge zu verringern.

Der im Oktober 1979 neu ins Amt des Vorsitzenden der FED bestimmte Ökonom und Wirtschaftspolitiker Paul Volcker kündigte in der geldpolitischen Strategie im Oktober 1979 einige Änderungen an. Fortan wurde die Wachstumsrate der nominalen Geldmenge als neue Zielgröße zu verwenden statt bisher dem Zinssatz für kurzlaufende Wertpapiere. Zunächst war seine Politk, auf genaue Zielgrößen und deren Bekanntgabe zu verzichten, auch von leichten Erfolgen gekrönt. Finanzmärkte deuteten dies als ein Zeichen für eine innovative Geldpolitik.

In der nebenstehenden Abbildung wird die Federal Funds Rate (Leitzins der US-Zentralbank) mit der jeweiligen Inflationsrate für den Zeitraum von Januar 1979 bis Dezember 1984 gezeigt. Einem immensen Anstieg des Zinssatzes von September 1979 bis ungefähr April 1980 ließ eine ebenso scharfe Abnahme Mitte 1980 folgen. Bei Betrachtung der Inflationsrate ist bis auf einen anfänglichen Anstieg (auf ca. 14%) ein kontinuierlicher Abnahmeprozess zu erkennen.


Einzelnachweise

  1. John Taylor's Personal Homepage, http://www.stanford.edu/~johntayl/

Literatur

  • Olivier Blanchard und Gerhard Illing: Makroökonomie, Verlag: Pearson Studium; 4. Auflage, aktualisierte und erweiterte Auflage (Juli 2006)
  • Otmar Issing: Stabiles Geld - Fundament der Sozialen Marktwirtschaft (Reden und Aufsätze der Universität Ulm, Heft 2), Universitätsverlag Ulm (1999)

Weblinks