Wirtschaftslage Italiens

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Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --Hübert 10:26, 9. Jun. 2008 (CEST)
Italien

Aktuelle makroökonomische Strategie und Lage

In diesem Länderdossier erfolgt einleitend die Analyse der ökonomischen Lage und die Darstellung der Strategien Italiens. Anhand der ermittelten Resultate erfolgt im Schlussteil eine Prognose über den makroökonomischen Wirtschaftverlauf für das Jahr 2009. Die Kriterien Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit, Inflation, Finanzstatus und Außenhandel werden als Gegenstand dieser Betrachtung näher erläutert. Die folgenden Daten sind ausschließlich aus der IMFDatenbank.

Die italienische Wirtschaft leidet seit Jahren unter einer Wachstumsschwäche. Ab 2001 weist Italien ein jährliches Wirtschaftwachstum von unter 2% auf und bildet somit das Schlusslicht der OECD-Staaten. 2008 wird laut IMF ein realer BIP-Zuwachs in Höhe von 0,25% erwartet. Aufgrund dessen ist nicht davon auszugehen, dass Italien in diesem Jahr die angestrebte 2% Hürde übersteigt. Die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit von Italien basiert unter anderem auf einer zu geringen Hochtechnologieproduktion sowie auf nicht konkurrenzfähigen Preisen im EU-Raum. Der italienische Staatshaushalt ist durch eine hohe Staatsverschuldung gekennzeichnet. Die neue Regierung versucht durch die Sanierung und Konsolidierung der öffentlichen Finanzen dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Da der Verschuldungsgrad nach wie vor über 100% des BIP (2008: 102,9%) beträgt, ist die Bonität des Landes im Gegensatz zu anderen Ländern eingeschränkter. Im Vergleich zu den EU-Ländern besitzt Italien die höchste Staatsverschuldung. Zu einer eher ungünstigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung tragen unterschiedliche Faktoren, wie zum Beispiel der gestiegene Ölpreis, höhere Zinsen, der starke Euro und das Nord-Süd-Gefälle bei. Während der industrielle Norden von einem gut entwickelten Dienstleistungssektor und von einer relativen Vollbeschäftigung geprägt ist, stellt der Süden die strukturschwächste Region Westeuropas mit einer hohen Arbeitslosigkeit dar. Die Arbeitslosenquote im gesamten Land verringerte sich seit 2000 von 10,1% auf 5,9% im Jahr 2008. Begründet wird dies mit flexibleren Arbeitsmärkten, Lohnzurückhaltung, steuerlichen Anreizen und Legalisierung von Schwarzarbeit, besonders der zahlreichen Immigranten[1]. Außerdem kann die rückläufige Arbeitslosenquote auf die neuen Beschäftigungsmöglichkeiten im Dienstleistungsbereich, wie Haushaltshilfe und Altenpflege, zurückgeführt werden. Trotz dieser positiven Beschäftigungsentwicklung bleibt die Arbeitslosenquote im EU- Vergleich relativ hoch. Die Inflation beträgt 2008 bisher 2,47%. Jedoch ist die "gefühlte" Inflation bei den italienischen Verbrauchern deutlich höher als die reale Preiserhöhung. Da sich insbesondere die Grundnahrungsmittel, wie „Pasta“, und die Treibstoffpreise verteuert haben. Ebenfalls hat die Regierung Anfang des Jahres die amtlich festgelegten Strom-, Bahn- und Autobahngebühren erhöht. In Italien befinden sich kaum natürliche Bodenschätze, aufgrund dessen müssen die meisten Rohstoffe importiert werden. Daher ist die Wirtschaft stark auf den Export angewiesen, um die Importgüter bezahlen zu können. Erstmals seit fünf Jahren hat sich das Defizit im Außenhandel im Jahr 2007 verringert. Während die Exporte um knapp 10% stiegen, gingen die Importe um rund 6% zurück. Die positive Tendenz setzte sich auch im Januar 2008 fort.

Der Realitätsgehalt der Crowding-In

Das crowding-In Theorem ist ein makoökonomischer Begriff, welcher die Erhöhung der privaten Investitionen augrund einer Reduktion der Staatsausgaben beschreibt.[2] Eine Staatsausgabensenkung wird vorwiegend in Hochkonjunkturphasen angewendet um die Preisstabilität durch die Reduzierung der Nachfrage zu garantieren und um das Haushaltsdefizit zu verkleinern. Die Reduzierung der staatlichen Ausgaben ist ein Teilbereich der restriktiven Fiskalpolitik.

Das AS-AD-Modell besagt, dass bei einer Staatsausgabenreduktion die Produktion kurzfristig sinkt, mittelfristig die Volkswirtschaft auf ihr natürliches Niveau zurückkehrt. Dieser Anpassungsprozess im AS-AD-Modell verläuft nach dem folgenden Schema:

  • Die rückläufige Produktion erhöht die Arbeitslosenquote, da weniger Arbeitskräfte benötigt werden.
  • Infolge dessen sinken die Löhne und die Produktionskosten verringern sich.
  • Die Unternehmen bieten dementsprechend ihre Produkte und Dienstleistungen kostengünstiger an und das gesamte Preisniveau nimmt ab.
  • Eine weitere Auswirkung der restriktiven Fiskalpolitik ist, dass die reale Geldmenge steigt und dadurch der Zins sinkt.
  • Die gesunken Preise sowie die gesunkenen Zinsen führen zu einer steigenden Investitionsnachfrage.

Der Realitätsgehalt des crowding-in Modells wird anhand ausgewählter wirtschaftlicher Daten Italiens innerhalb zwei 5-Jahres-Perioden überprüft. Weiterhin wird das AS-AD-Modell mit in die Überlegungen einbezogen. In Abbildung 1 und 2 sind die Staatsausgaben und die Investitionsnachfrage in Relation zum BNE dargestellt.


Erste 5-Jahres-Periode (1991-1995)

Abbildung 1: Vergleich von relativen Staataausgaben, relativen Investitionen und dem BIP-Wachstum in der ersten Periode

Die Ausgangsperiode bei welcher sich die Staatsausgaben gemessen am Bruttonationaleinkommen am stärksten reduzierten wurde mit Hilfe der Gleichung:

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errechnet. Die Berechnung ergab das Zeitintervall von 1991 bis 1995.

In den ersten 5 Jahren verzeichnen die relativen Staatsausgaben eine Senkung von 20,58% auf 18,24%. Die relativen Investitionen verlaufen von 1991 bis 1994 fallend. Sie nehmen von 22,40% bis auf 20,14% ab. Es wird deutlich, dass obwohl die relativen Staatsausgaben sinken, die relativen Investitionen nicht ansteigen. Erst ab dem Jahr 1994 nehmen die Investitionen stetig zu. Die Aussage der crowding-in These findet somit kurzfristig keine Anwendung auf die wirtschaftliche Situation Italiens. Laut AS-AD-Modell sinkt die Produktion kurzfristig aufgrund der verringerten Staatsausgaben. Die Produktion weicht somit temporär von ihrem natürlichen Niveau ab, kehrt aber mittelfristig zu diesem zurück, da die Zunahme der Investitionen exakt den Abnahmen der Staatsausgaben entsprechen sollte. Zur Überprüfung dieses Konzeptes wird die Wachstumsrate des BIP mit dem Produktionsniveau gleichgesetzt. Eine weitere Annahme ist, dass das natürliche Produktionsniveau im Jahr 1991 erreicht wurde. Abbildung 1 zeigt einen deutlichen Rückgang des BIP-Wachstums(=Produktionsniveau) bis zum Jahr 1993. In der Praxis sinken die relativen Staatsausgaben deutlich mehr als die relativen Investitionen stiegen. Dieses führte im Jahre 1995 dazu, dass das natürliche Niveau nicht vollständig erreicht wurde. Dem AS-AD-Modell kann somit nur teilweise zugestimmt werden.

Zweite 5-Jahres-Periode(1996-2000)

Abbildung 2: Vergleich von relativen Staataausgaben, relativen Investitionen und dem BIP-Wachstum in der zweiten Periode

Im Jahre 1996 steigen die relativen Staatsausgaben nur minimal um 0,24% an und bleiben bis 2000 relativ konstant auf diesem Niveau. Die relativen Investitionen verzeichnen eine nahezu gleichmäßige Steigung. Jedoch bildet das Jahr 1996 eine Ausnahme, da die Werte vorübergehend fallen. Die relativen Investitionen steigen erst ab dem vierten Jahr, aufgrund dessen stimmt die crowing-in Theorie mittelfristig. Der Grund für die Zeitspanne zwischen der staatlichen Nachfragesenkung und die daraus resultierenden erhöhten Investitionen kann an einem Verzögerungseffektzwischen der staatlichen Handlung (Reduzierung der Neuverschuldung durch Staatsnachfragesenkung) und ihrer Auswirkung (sinkende Zinsen und rückläufige Preise) liegen. [3]

Das Wirtschaftwachstum Italiens fällt in dieser Periode von 7,93% bis auf 3,27%. Das Wachstum müsste sich jedoch beschleunigen, da die relativen Staatsausgaben konstant bleiben und die relativen Investitionen steigen. Dieser Unterschied zwischen Praxis und Theorie könnte an der hohen Arbeitslosigkeit Italiens in dieser Periode liegen.

Fazit

Die crowding-in These kann mittelfristig anhand der Wirtschaftsdaten Italiens bestätigt werden. Die relativen Investitionen stiegen nach einer mehrjährigen relativen Staatsausgabensenkung. Jedoch ist die Senkung der staatlichen Nachfrage Italiens mit einem starken Einbruch des Wirtschaftswachstums verbunden. Die Zentralbank kann diesem negativen Effekt vorbeugen indem sie das Geldangebot erhöht. Wenn die Geldpolitik angemessen reagiert, wird durch die kombinierten Änderungswirkungen der Geldpolitik und der Fiskalpolitik eine unveränderte aggregierte Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen möglich bleiben. Das Wirtschaftwachstum würde somit nicht beeinflusst werden.[4]Zusammenfassend sollte crowding-in mit anderen Maßnahmen ergänzt werden um die Wirtschaft nicht negativ zu beeinflussen.

Die Phillips-Kurven im Zeitablauf

Ursprüngliche Phillipskurve

Im Folgenden soll untersucht werden, ob die Aussage der ursprünglichen Phillipskurve [1] heutzutage noch für Italien im Zeitverlauf von 1991 bis 2007 eine Anwendung findet. Die ursprüngliche Phillipskurve (PK) besagt, dass ein negativer Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit besteht.

Abbildung 3: Die ursprüngliche Phillipskurve im Zeitverlauf von 1991 bis 2007

Diese negative Beziehung wird für Italien an der Regressionsgerade [2]in der Periode von 1991 bis 1998 sehr deutlich erkennbar. Der Anstieg beträgt dort –0,9408. Dies bedeutet, dass bei einer hohen Inflation (1991: 6,22%) die Arbeitslosenquote (1991: 8,53%) niedrig ist und umgekehrt. Demzufolge besitzt die Aussage der ursprünglichen PK für diesen Zeitabschnitt volle Gültigkeit.

In der zweiten Phase von 1999 bis 2007 verläuft die Regressionsgerade fast horizontal und der negative Zusammenhang von Inflation und Arbeitslosigkeit nimmt im Gegensatz zur vorherigen Periode gravierend ab ( Anstieg: -0,0116 ), d.h. die ursprüngliche PK verliert hier offensichtlich an ihrer Aussagekraft.

Im gesamten Zeitverlauf von 1991 bis 2007 kann dieser Zusammenhang allerdings nicht nachgewiesen werden. Hier verläuft die Regressionsgerade positiv, d.h. bei einer niedrigen Inflation würde eine niedrige Arbeitslosigkeit bestehen und umgekehrt. Werden nur die beiden Zeitabschnitte für die Beschreibung der ursprünglichen PK herangezogen, dann wird die Aussage der ursprünglichen PK bewiesen. Jedoch muss festgehalten werden, dass die ursprüngliche PK im Zeitverlauf deutlich ihre Aussagekraft verloren hat.

Erweiterte Phillipskurve

Bei der erweiterten Phillipskurve wird die Veränderung der Inflation mit der Arbeitslosenquote (ALQ) in Verbindung gesetzt, d.h. eine niedrige Arbeitslosigkeit führt zu einem Anstieg der Inflation und eine hohe Arbeitslosigkeit zu einer sinkenden Inflation.

Abbildung 4: Die erweiterte Phillipskurve im Zeitverlauf von 1991 bis 2007

In der ersten Untersuchungsperiode steigt die ALQ konstant an, demnach müsste die Inflation eine negative Veränderung aufzeigen. Diese negative Veränderung der Inflation kann in allen Jahren, außer 1995 und 1998, beobachtet werden. Demzufolge trifft die Aussage der erweiterten PK im Zeitverlauf von 1991 bis 1998 zu.

In der zweiten Periode von 1999 bis 2007 kann der Zusammenhang der erweiterten PK anhand der Regressionsgerade nicht bewiesen werden. Sie verläuft für diesen Zeitraum positiv, d.h. bei einer niedrigen ALQ folgt eine negative Veränderung und umgekehrt. Da im gesamten Zeitverlauf dieser Periode die Arbeitslosigkeit konstant sinkt, müsste die Inflation bei niedriger ALQ eine positive Veränderung aufzeigen. Jedoch liegt eine negative Veränderung der Inflation in den Jahren 2004, 2005 und 2007 vor.

Demnach lässt sich festhalten, dass die Zeiträume für die Untersuchung der erweiterten PK nur bedingt sinnvoll gewählt wurden. Zu einer qualitativ besseren Betrachtung dieser PK wären die jeweiligen Quartalsdaten vorteilhafter, welche jedoch für Italien nicht vorhanden sind, damit die so genannten „Ausreißer“ der jeweiligen Jahre, die die Regressionsgerade verfälschen, geglättet werden können.

Betrachtet man die erweiterte PK im gesamten Verlauf von 1991 bis 2007 anhand einer Regressionsgerade, dann kann die Annahme der erweiterten PK für Italien ohne Einschränkung bejaht werden. Folglich wäre eine Untersuchung der erweiterten PK über einen längeren Zeitraum sinnvoller.

Schlussfolgernd kann die Hypothese bestätigt werden, dass die ursprüngliche PK ihre Aussagekraft verloren hat und die erweiterte PK für Italien den Zusammenhang von Preisstabilität und Arbeitslosigkeit besser beschreibt.

Natürliche Arbeitslosenquote

Bei einer natürlichen Arbeitslosenquote verhält sich die Inflationsrate konstant. Diese inflationsneutrale ALQ ist die niedrigste ALQ, die langfristig vorherrschen kann, ohne das die Inflation ansteigt.

Eine natürliche ALQ für die Periode 1999 bis 2007 in Höhe von 8,31% kann von der Regressionsgeraden der erweiterten Phillipskurve abgelesen werden. Für den gesamten Zeitraum von 1991 bis 2007 liegt sie bei 5,99%. Im folgendem wähle ich zur weiteren Betrachtung die natürliche ALQ von 5,99%, da in diesem Zeitraum die erweiterte PK Anwendung findet und diese der jetzigen tatsächlichen ALQ von Italien (2007: 6%) sehr nahe kommt.

Wenn die tatsächliche ALQ unter der natürlichen liegt, steigt die Inflation. Dies wäre allerdings für Italien zum Nachteil, da das Land seit Jahren unter einer hohen Inflation leidet. Besonders bei den Grundnahrungsmitteln fällt die "gefühlte" Inflation bei den Italienern deutlich höher aus als die reale Preiserhöhung (2007: 2,038%), z.B. verteuerte sich 2007 die Pasta um 7,7% und das Brot um 12,4%[5]. Die natürliche und die tatsächliche ALQ waren 2007 so gering wie nie zuvor und die Inflation erreichte ihren niedrigsten Wert seit 1999. Dennoch ist die kontinuierliche Senkung der ALQ zu bemängeln, da sie vor allem aufgrund der vielen verschiedenen Teilzeit- und Kurzarbeitsverträgen beruht. Im europäischen Vergleich lag die Vollbeschäftigungsquote 2006 bei 58,7% und ist damit weiterhin sehr niedrig (Deutschland 2006: 67,2%)[1].


Die Folgen der Wirtschaftspolitik sind alarmierend. Aufgrund der steigenden Grundnahrungsmittelpreise und den gleich bleibenden Löhnen sollen bereits Ende 2008 20% der italienischen Haushalte unterhalb der Armutsgrenze leben.[6] Um diesen entgegenzuwirken muss Italien auf eine technologische Weiterentwicklung der Industrie setzen, die Löhne anheben und die Lebenshaltungskosten senken. In kurzer Frist wird dies jedoch nicht möglich sein. Überdies besteht weiterhin ein erheblicher wirtschaftlicher und struktureller Rückstand des Südens gegenüber dem Norden Italiens.

Disinflations-Opfer

Die Wirtschaft Italiens erlebte in den letzten drei Jahrzehnten heftige Schwankungen. Ende der siebziger Jahre erreichte die Inflationsrate ihren Höhepunkt mit 21 % p.a. Viele strukturelle Probleme, ein enormes öffentliches Defizit und die beträchtliche Inflation forderten sowohl strikte Reformen als auch eine restriktive Geld- und Fiskalpolitik seitens des Staates. Die Geldpolitik nahm Anfang der 80ger Jahre einen restriktiven Kurs ein, während die Fiskalpolitik[3] weiterhin expansiv blieb. Stimuliert durch die expansive Fiskalpolitik kam es zu einer längeren Wachstumsphase der italienischen Wirtschaft von durchschnittlich 2% p.a. Gleichzeitig wurde die Inflationsrate von 21 % (1980) auf knapp 5 % gegen Ende der achtziger Jahre gesenkt. Der hohe Anstieg der Inflationsrate wurde unter anderem in den 70er Jahren durch das rapide Ansteigen des Ölpreises beschleunigt. Das Hauptziel der meisten Volkswirtschaften war demzufolge dem Inflationsdruck (Ölpreisschock verbunden mit dem inländischen Lohn-Preis-System) zu widerstehen und Inflation zu reduzieren. Dieses Prozess, wenn sich die Inflationsrate verringert, bezeichnet man als Disinflation.

Opferverhältnis

Abbildung 5: Entwicklung der Arbeitslosenquote und Inflationsrate in Italien.jpg

Die Disinflation ist nicht ohne Folgen geblieben - allerdings auf Kosten des Wirtschaftswachstums. Dabei verschlechterte sich die Arbeitsmarktsituation - insbesondere in den strukturschwachen südlichen Landesteilen - bis in die 90 Jahre erheblich. Abbildung 5 zeigt die Entwicklung der Inflations- und Arbeitslosenquote in Italien ab 1980. Auf der Abbildung ist zu erkennen, dass die Inflationsquote in der 7-Jahre Periode von 1980 bis 1987 um die meisten Prozentpunkte reduziert wurde. Im Jahre 1981 gewann die Geldpolitik an Unabhängigkeit gegenüber der Fiskalpolitik, als die italienische Zentralbank aufgehörte, das Budgetdefizit der Regierung zu finanzieren und sich der Geldwertstabilität [4] verpflichtete. Hinzu kam die Reform des Lohnbildungsprozesses in 1983: Bis dato vereinbarten die Lohnsetzer Anpassungsklauseln der Löhne an die Inflationsrate. Diese fielen nun weg, was argumentativ durch die vorangegangenen Erfolge der italienischen Zentralbank unterstützt wurde. Zudem war Italien gezwungen, die Kapitalmärkte zu öffnen, um am Europäischen Währungssystem zu partizipieren. All diese Faktoren förderten den Disinflationsprozess in Italien. Die Tabelle 1 zeigt, inwieweit die Geldpolitik zur Abschwächung des Trade-off [5] zwischen Disinflation und Beschäftigung beigetragen hat: In 1986 erreichte die Arbeitslosenquote ihren Höhepunkt von 8,9 %. Wenn die natürliche Arbeitslosenquote bekannt ist, lässt sich das Opferverhältnis ermitteln. Am Ende der betrachteten Jahresperiode betrug das Opferverhältnis 0,46 %, was bedeutet, dass eine Reduktion der Inflation um einen Prozentpunkt zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote von fast ½ Prozentpunkt geführt hat. Insgesamt kam es zu einem leichten Anstieg der Arbeitslosenquote. Die Tatsache, dass das Opferverhältnis gering ausfiel, kann durch eine schnelle und radikale Disinflation erklärt werden. [7].

Berechnung des Opferverhältnisses für die Jahre 1980 - 1986
% 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986
Wachstum des BIP -1,41 0,78 0,69 0,89 3,23 2,80 2,86
Inflationsrate 21,80 19,51 16,46 14,70 10,74 9,24 5,82
Arbeitslosenquote 7,10 7,40 8,00 7,40 7,90 8,20 8,90
natürliche Arbeitslosigkeit 5,83 5,75 6,12 6,53 6,94 7,36 7,76
Kumulierte Arbeitslosigkeit   1,65 3,53 4,40 5,36 6,20 7,34
Kumulierte Disinflation   2,29 5,34 7,10 11,06 12,56 15,98
Opferverhältnis   0,72 0,66 0,62 0,48 0,49 0,46
eigene Berechnungen Natalia Kukushkina
(Quelle der Daten: BIP: IFM-Datenbank, Inflationsrate und Arbeitslosenquote: AMECO-Datenbank, natürliche Arbeitslosenquote: Thomson-Datastream)

Glaubwürdigkeit der Politik

Für die Regierung verschob sich der Trade-off zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit zugunsten der Stabilitätsziele. Bei der Bestimmung der Kosten der Inflationsreduktion spielen die rationalen Erwartungen eine nicht geringe Rolle. Die von dem Ökonom Robert Lukas aufgestellte These besagt, dass die Prognose der wirtschaftlichen Folgen einer Politikmaßnahme nicht auf Basis von Zusammenhängen durchgeführt werden dürfe, die in der Vergangenheit beobachtet worden sind. [8]. Das hat insbesondere mit dem Erwartungsbild der Wirtschaftssubjekte, also Unternehmen, Verbrauchern, und dem Ausland zu tun. Die Erwartungen der an der Lohnsetzung beteiligten Parteien orientieren sich an der Inflationsrate in der Vergangenheit. Wenn die Glaubwürdigkeit an das Erreichen des Zieles, das die Zentralbank angekündigt hat, tatsächlich besteht, fallen die Kosten der Arbeitslosigkeit (Opfer) der Disinflation niedriger aus: Werden bspw. Informationen über die bevorstehende Antiinflationskampagne von den Lohnsetzern in ihren Erwartungen berücksichtigt, so kann dadurch die Inflationsrate gesenkt werden, ohne dass die Arbeitslosenquote erheblich steigt. Die Glaubwürdigkeit der Wirtschafts- und Finanzpolitik galt während der betrachteten Periode in Italien als mangelhaft. Schon in den achtziger Jahren war die „scala mobile“ [6], die automatischen Lohnsteigerungen aufgrund einer Preisbildung, diskutiert worden, jedoch wurde das alte System bis 1992/1993 beibehalten. Erst der Regierung Amoto gelang es nach 46 Jahren, diesen Mechanismus abzuschaffen. Erst so konnte die Gefahr einer lohnkosteninduzierten Inflation beträchtlich reduziert werden. Das zeigt, dass die Gewerkschaften kein großes Vertrauen zu den politischen Maßnahmen hatten: Die Lohnentwicklung orientierte sich nicht am von der Regierung prognostizierten, sondern an dem tatsächlichen Preisanstieg. Letztlich lässt sich Glaubwürdigkeit der Geldpolitik nur durch Unabhängigkeit der Zentralbank von der tagespolitischen Opportunitäten unterworfenen Regierungspolitik gewinnen. Insofern gilt der Entwurf der Europäischen Geldpolitik, der ab 1993 auch in Italien als Teilnehmerstaat galt, als vorbildhaft: Er sieht eine unabhängige Zentralbank vor. Diese sieht sich, wie jüngst (2007/2008), immer wieder Forderungen der Politik ausgesetzt.

Lohnstückkosten und realer multilateraler Wechselkurs

Die Lohnstückkosten(LSK) ergeben sich, indem die Arbeitskosten ins Verhältnis zur Produktivität gesetzt werden.

Als Maß für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit im Außenhandel wird der real effektive Wechselkurs (REWK) herangezogen, der die Entwicklung des Außenwertes des Euros gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner berücksichtigt und er berücksichtigt zudem auch, dass für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit im Außenhandel nicht nur die Kursentwicklung des Euros, sondern auch Preisentwicklungen im Inland entscheiden sind. Je höher der REWK ist, umso teurer sind die inländischen Güter relativ zu im Ausland hergestellten Konkurrenzprodukte.

Zur Beurteilung der Wettbewerbsposition werden verschiedene Deflatoren wie z.B. Gesamtabsatz der Unternehmen, Verbraucherpreise, LSK sowie die Außenhandelspreise herangezogen. Jedoch ist jeder Deflator mit Problemen behaftet. Um bereits bei der Kostenseite anzusetzen, werden hier die LSK als Deflator herangezogen. Die Lohnkosten umfassen im Aggregat rund 2/3 der gesamten Produktionskosten und stellen daher einen wesentlichen gesamtwirtschaftlichen Kostenfaktor dar. Die Kosten für Kapital und Rohstoffe bestimmt der Weltmarkt („law of one price“), die Lohnkosten hingegen sind durch niedrige Mobilität des Faktors Arbeit stärker von einzelstaatlichen Faktoren geprägt.

Nominal und real effektiver Wechselkurs

Um den Einfluss von Wechselkursänderungen auf den internationalen Leistungsaustausch zu beurteilen, wird nun die Entwicklung des nominalen und real effektiven Wechselkurs des Euros herangezogen. In Abb.6 wird ersichtlich, dass beide Indikatoren einen ähnlichen zeitlichen Verlauf aufweisen. Die Korrelation beträgt nahezu 1. Aufgrund der Abwertung der Lira erhöhte sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Italiens bis 1994 gegenüber seinen wichtigsten Handelspartnern. Ab der Einführung des Euros spielen Wechselkursänderungen für die Wettbewerbsfähigkeit in den Euro-Ländern keine Rolle mehr, woraufhin Italien seinen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit in den darauf folgenden Jahren nicht mehr durch eine Abwertung seiner Währung gegensteuern konnte. Daher stellt sich die Frage ob ein Veränderung der LSK die Wettbewerbsposition Italiens verbessern könnte.

Abbildung 6:Real_effektiver_Wechselkurs.jpg

Real effektiver Wechselkurs auf Basis der Lohnstückkosten

Werden nun zum REWK auch der REWK auf Basis der LSK herangezogen, so wird ersichtlich dass dieser einen stärkeren Anstieg als der REWK zu verzeichnen hat. So könnte dies darauf deuten, dass die schlechte preisliche Wettbewerbsposition in Italien bei unveränderten Produktivität entweder auf die stärker gestiegenen Geldlöhne oder auf die gefallenen Preise zurückzuführen ist. Beim heranziehen der Verbraucherpreise im Zeitraum 2004 bis 2007 [HB 1] , wird hier ein Rückgang zum Vorjahr festgestellt, des Weiteren ist die Arbeitsproduktivität von 2004 bis 2006 erheblich gesunken, die jedoch im Jahr 2007 einen Aufschwung verzeichnete. Dies lässt darauf deuten, dass die gestiegenen Geldlöhne Ursache des Verlustes an Italiens Wettbewerbsfähigkeit sind. Im Folgenden wird nun auch die Entwicklung der LSK der wichtigsten Handelspartner Italiens, nämlich Deutschland und Frankreich, betrachtet. In der Abb. 7

Abbildung 7:Lohnstückkosten_Italien_und_seine_Handelspartner.jpg

wird die Entwicklung des real multilateralen Wechselkurses, d.h. dem Durchschnittspreis italienischer Güter relativ zum Durchschnittspreis ausländischer Güter, sowie die Entwicklung der Lohnstückkosten Italiens und die seiner beiden wichtigsten Handelspartner, Deutschland und Frankreich, im Zeitraum 1988 bis 2006 ersichtlich. Ein Rückgang des real multilaterale Wechselkurses signalisiert eine reale Abwertung und damit eine Verbesserung der preislichen Wettbewerbsposition. Diese Aussage kann z.B. anhand des Rückgangs des Index ab 1992 aufgrund der Abwertung italienischen Währung (Lira) gestützt werden. Dies würde bedeuten, dass durch das Sinken des Indexes bis Mitte 1995 die italienischen Güter im Ausland real billiger waren, d.h. inländische bzw. italienische Güter waren im Vergleich zu ausländischen Güter deutlich billiger. Die Lohnstückkosten stiegen jedoch von Jahr zu Jahr, was zu einer Verschlechterung der Wettbewerbsposition deuten könnte und die somit die Verbesserung kompensieren würde.

In den darauf folgenden Jahren änderte sich die Lage jedoch. Sowohl der real multilateral Wechselkurs als auch die Lohnstückkosten stiegen, die inländischen Güter wurden im Vergleich zu ausländischen Güter deutlich teurer und Italien verlor an Wettbewerbsfähigkeit. Ab diesem Zeitpunkt (1995) konnte auch eine positive Korrelation von 0,7 festgestellt werden, die einem Anstieg der Lohnstückkosten mit einem korrespondierenden Anstieg des real multilateralen Wechselkurs erklärt. Dieser Zusammenhang der Lohnstückkosten und des real multilateralen Wechselkurses wird zwar auch in Frankreich erkennbar, jedoch ist beim Vergleichsland Deutschland kein Zusammenhang zu erkennen. Hier müssten demnach die deutschen Güter im Vergleich zu Italien z.B. nicht aufgrund der gestiegenen Lohnstückkosten teurer geworden sein.

Werden die Zeiträume 1989 bis 1993 und 2000 bis 2007 betrachtet, die eine Korrelation von 0,7 aufweisen, wird die Wichtigkeit der Preisentwicklung, damit sind auch die Geldlöhne gemeint, für die Wettbewerbsfähigkeit Italiens noch einmal verstärkt. Im Gesamten Zeitraum ist diese hohe Korrelation jedoch nicht zu beobachten, die u.a. aufgrund der Abwertung der Lira im Jahr 1992 resultiert und somit die Kursentwicklung in diesem Zeitraum einen höheren Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit hat, als die Preisentwicklung. Es ist jedoch zu beachten, dass die LSK und ihre Entwicklung zwar wichtig sind, aber keinesfalls allein entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Preis- und Kostenfaktoren sowie nichtpreisliche Merkmale wie z.B. Produktqualität und Innovationsfähigkeit kommen z.B. auch noch hinzu.

Restriktive Fiskalpolitik bei offenen Güter- und Finanzmärkten

Auswirkungen restriktiver Fiskalpolitik

Die restriktive Fiskalpolitik, auch kontraktive Fiskalpolitik oder Haushaltskonsolidierung genannt, befasst sich mit der staatlichen Entscheidung ein Budgetdefizit abzubauen. Dies kann entweder durch eine Erhöhung der Steuern oder durch eine Senkung der Staatsausgaben erreicht werden [9].


Für die folgende Analyse der Fiskalpolitik im Zusammenhang mit der Leistungs-, Handels- und Kapitalbilanz wird die Periode 1991-1996 gewählt, da hier fiskalpolitische Maßnahmen am deutlichsten erkennbar sind. Schaut man sich zunächst einmal die Staatsausgaben aus Abb.1 an, ist deutlich zu erkennen, dass diese in dieser Periode sinken. Diese Maßnahme durch den Staat wird vorgenommen, um das Budgetdefizit der vergangenen Jahre zu reduzieren. So werden beispielsweise öffentliche Investitionen des Staates reduziert oder gar eingestellt. Primär soll das Preisniveau stabilisiert und ein Rückgang der Staatsverschuldung erreicht werden. Zunächst wird die Wirkung einer Verringerung der Staatsausgaben auf die Leistungs-, Handels- und Kapitalbilanz untersucht. Es wird davon ausgegangen, dass sich die Produktion auf einem natürlichen Niveau befindet, d.h., dass eine normale Auslastung der Produktionskapazität vorliegt. Aufgrund der Reduzierung der Staatsausgaben verringert sich die Gesamtnachfrage auf dem Markt, was bedeutet, dass zu jedem beliebigen Preis weniger nachgefragt wird. In der kurzen Frist führt ein Rückgang des Budgetdefizites zu einer sinkenden Produktion, was einen Beschäftigungsrückgang und eine Angleichung der Nominallöhne der Arbeitnehmer nach unten zur Folge hat. Eine Senkung der Löhne zieht gleichzeitig eine kostengünstigere Produktion nach sich, wodurch das Preisniveau sinkt.

Auswirkung auf Leistungs-, Handels- und Kapitalbilanz

Abbildung 8:Leistungs-, Handels- und Kapitalbilanz von Italien

In der Handelsbilanz werden alle Güterexporte und Güterimporte erfasst. Übersteigen die Exporte die Importe spricht man von einem Handelsbilanzüberschuss, im umgekehrten Fall liegt ein Defizit vor. Werden die Staatsausgaben gesenkt, kommt es zu einem Rückgang der gesamten Nachfrage. Begründet in den sinkenden Preisen steigt gleichzeitig die Nachfrage des Auslandes nach inländischen Gütern. Der Exportverkehr steigt somit an und übersteigt die Importe, was zu einem Handelsbilanzüberschuss führt. Betrachtet man die Handelsbilanz Italiens ist festzustellen, dass sich diese in den Jahren 1992-1996 stetig verbessert und ein Überschuss aufweist. Begründet ist dieses in der rückläufigen Produktion und Geldnachfrage, den daraus resultierenden sinkenden Preisen und der steigenden Nachfrage des Auslandes in der kurze Frist. Resultierend aus der gestiegenen Nachfrage im Ausland wird wiederum eine Preissteigerung erreicht. Betrachtet man die mittlere Frist, erhöht sich die Produktion und kehrt immer wieder zu ihrem natürlichen Niveau zurück [10]. Aufgrund dessen, dass die Handelsbilanz ein untergeordnetes Konto der Leistungsbilanz darstellt, entwickelt sich diese nahezu parallel. Die Kapitalbilanz stellt ein weiteres Unterkonto der Zahlungsbilanz dar, in der die Kapitaltransaktionen mit dem Ausland abgebildet werden. Sie entwickelt sich meist entgegengesetzt der Leistungsbilanz und gleicht somit die Zahlungsbilanz aus. Die beiden möglichen Transaktionen sind einerseits der Kapitalimport und andererseits der Kapitalexport. Mit den sinkenden Staatsausgaben verringert sich die Kapitalbilanz Italiens, bis sie schließlich ab dem Jahr 1994 negativ wird. Dies bedeutet, dass die Kapitalexporte die Kapitalimporte überwiegen. Beispiel hierfür wäre unter anderem die Gewährung langfristiger Kredite an das Ausland durch inländische Kreditinstitute und eine steigende Investitionstätigkeit Italiens im Ausland. Mittelfristig haben die Staatsausgaben auch hier keine Auswirkungen.

Übertragungsmechanismen

Eine Volkswirtschaft ist permanenten Schwankungen, auch sogenannten Schocks, ausgesetzt. Veränderungen der Konsumnachfrage, der Investitionstätigkeit sowie Auswirkungen politischer Maßnahmen können unter anderem Ursachen für Schocks sein. Diese Schwankungen beeinflussen das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht. Um ein neues Gleichgewicht einstellen zu können, werden dynamische Übertragungsmechanismen und daraus resultierende Anpassungsprozesse ausgelöst. Im Zeitverlauf lässt die Wirkung dieser Übertragungsmechanismen jedoch stetig nach. Desweiteren können Schocks auch mittelfristige Auswirkungen haben. Dieses ist dann der Fall wenn diese dauerhaft sind. Ein Beispiel hierfür wäre die Erhöhung der Ölpreise, wodurch das aggregierte Angebot dauerhaft beeinflusst wird [11].

Crowding-In-Effekt

Ursache für den crowding-in-Effekt ist die restriktive Fiskalpolitik. Die negative Kapitalbilanz Italiens, verursacht durch die Reduzierung der Staatsausgaben, zeigt besonders 1999, dass der sinkende Zins die Attraktivität von Krediten steigert und somit private Haushalte animiert werden zu investieren. Somit wird die Hypothese eines mittelfristigen crowding-in unterstützt.

Prognose für Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit und Inflation 2008

Die wirtschaftliche Situation in Italien zeigt einen positiven Trend im Hinblick auf die Arbeitslosenquote, jedoch unterliegen das Wirtschaftswachstum und die Inflation lediglich einer marginalen Verbesserung. Das Wirtschaftswachstum 2008 wird gemäß dem Internationalen Währungsfonds im Vergleich zum Vorjahr keine Belebung erfahren. Die exogenen Faktoren, wie der weiter steigende Ölpreis, die Zinserhöhungen und die zurückgehende weltwirtschaftliche Dynamik beeinträchtigen die wirtschaftliche Entwicklung Italiens negativ. Daraus wird deutlich, dass Italien stark von der Weltwirtschaft abhängt. Aufgrund der vermuteten Stagnation des Wirtschaftswachstums sinkt die Produktivität, der Konsum, die Kaufkraft und folglich die Konkurrenzfähigkeit. Zur Verbesserung der Wettbewerbfähigkeit sollte sich Italien weniger auf das verarbeitende Gewerbe konzentrieren und den Schwerpunkt auf die Hochtechnologie setzen. Infolge der immer weiter steigenden Preise der Grundnahrungsmittel sowie der Importgüter wird auch im Jahr 2008 eine Steigerung der Inflation prognostiziert. Die wachsende Lebenshaltungskosten und der Steuerdruck führen zu einer zunehmenden Verarmung der Bevölkerung. Die Arbeitslosenquote wird sich auch im nächsten Jahr verringern, da seit dem Jahr 1992 ein kontinuierlicher Rückgang zu beobachten ist. Die wirtschaftlichen und strukturellen Unterschiede hinsichtlich der Arbeitslosigkeit zwischen Nord- und Süditaliens bleiben weiterhin bestehen. Trotz des allgemeinen Rückgangs der Arbeitslosigkeit verzeichnet der Süden Italiens eine doppelt so hohe Arbeitslosenquote als der Norden. Zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation könnte u.a. eine politische Stabilität in Form von einer beständigen Regierung, die eine Durchsetzung von Reformen ermöglicht, beitragen.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Italien/Wirtschaft.html 26.03.2008
  2. Vgl. Artikel: Crowding-in In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 04. Juni 2008, 15:18 UTC (Abgerufen: 04. Juni 2008, 15:18 UTC)
  3. Vgl. Artikel: Time lag In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 04. Juni 2008, 15:16 UTC (Abgerufen: 04. Juni 2008, 15:16 UTC)
  4. N. Gregory Mankiw: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. 2., aktualisierte Auflage. Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart, Stuttgart, 2001, S. 789
  5. http://www.dolomiten.it/nachrichten/artikel.asp 26.03.2008
  6. http://www.cafebabel.com/eng/article/24314/armes-italien.html 26.03.2008
  7. O.Blanchard, G.Illing: Markoökonomie. 4., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München, 2006, S. 284
  8. O.Blanchard, G.Illing: Markoökonomie. 4., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München, 2006, S. 279
  9. O. Blanchard , G. Illing: Makroökonomie, 3. aktualisierte Auflage,Pearson Studium 2004, ISBN 3-8273-7051-3, S.148
  10. O. Blanchard , G. Illing: Makroökonomie, 3. aktualisierte Auflage,Pearson Studium 2004, ISBN 3-8273-7051-3, S.224f
  11. O. Blanchard , G. Illing: Makroökonomie, 3. aktualisierte Auflage,Pearson Studium 2004, ISBN 3-8273-7051-3, S.234

Literaturverzeichnis

  • Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard: Makroökonomie, 3. aktualisierte Auflage, Pearson Studium 2004, ISBN 3-8273-7051-3
  • Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard (2006), Makroökonomie, 4., aktualisierte Auflage, München: Pearson Studium
  • Mankiw, N. Gregory (2001), Grundzüge der Volkswirtschaftslahre, 2., aktualisierte Auflage, Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag

Weblinks


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