Indische Rupie

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Die Indische Rupie (Hindi: „rupiya“; Englisch: „rupee“; aus dem Sanskrit: „rupya“) ist der Name der Währungseinheit in Indien, die von der Regierung Indiens und der indischen Zentralbank, Reserve Bank of India, emittiert wird. Sie wird in 100 „Paise“ unterteilt, wird oft als „iR“, „Rs“ und „Re“ abgekürzt und hat laut dem ISO-4217-Code die Bezeichnung „INR“. Die heutigen Münzen haben einen Nennwert von 5, 10, 20, 25 und 50 Paise und außerdem 1, 2, 5 und 10 Rupien. Die Banknoten sind erhältlich mit Nennwert von 5, 10, 20, 50, 100, 500 und 1.000 Rupien. Scheine mit Nennwert von 1 und 2 Rupien werden auch emittiert, aber in geringer Zahl und sind daher sehr selten erhältlich.[1][2][3]

Geschichte

Vorgeschichte der indischen Rupie

Im geographischen Gebiet des heutigen Indiens entstanden einige der ersten Kulturen, die ein Münzsystem einführten. Es besteht kein geschichtswissenschaftlicher Konsens bezüglich des exakten Zeitpunkts der Einführung. Verbreitet ist der Zeitraum zwischen dem 4. und 6 Jh. v. Chr. Diskutierte Gründe der Einführung sind die Herstellung von Ordnung und Kontrolle sowie Erleichterungen bei der Verwaltung. Vor allem das Überwachen des Handels spielte vermutlich eine wichtige Rolle.

Seit der Einführung der ersten Münzen gab es viele Veränderungen sowohl im Namen und im Wert als auch im Aussehen der auf dem indischen Subkontinent verbreiteten Münzen. Das Erscheinungsbild war abhängig von der herrschenden Dynastie, den sozialpolitischen Ereignissen oder der Natur Indiens. Beispielsweise gab es während der indio-griechischen Periode Münzen, die von Bildern der griechischen Gottheiten geprägt waren oder aufgrund des großen Handels zwischen dem römischem und indischem Reich, Münzen die römische und indische Symbole gleichzeitig enthielten.

Jede Dynastie und jeder Herrscher, der Indien oder eine ihrer Provinzen eroberte, nahm Einfluss auf das Erscheinungsbild der Münzen. So gab es den arabischen Einfluss im 8. Jh. n. Chr. als die Provinz Sindh von Arabern erobert wurde. Dieser Einfluss wurde abgelöst, durch den Sultan von Delhi, welcher im 12. Jh. n. Chr. die islamische Kalligraphie auf den indischen Münzen einführte. So hatten neu entstandene Münzen orientalische Symbole und trugen den Namen Tanka. Tanka blieb die Währung bis zum 15. Jh. v. Chr. bis sie dann durch die indische Rupie ersetzt wurde.[4]

Indische Rupie von der Einführung bis Heute

Die Einführung der indischen Rupie geht auf den Herrscher Afghan Sher Shah Suri (1540 – 1545), zurück. Er strebte einen zentralisiserten Verwaltungsaufbau an und versuchte, da es bis dahin in vielen Provinzen eigene Münzen mit unterschiedlichen Werten und aus unterschiedlichen Materialien gab, das Währungssystem zu vereinheitlichen. Die Einführung der Silbermünze „Rupiya“, vermutlich im Jahre 1526, welche 11,5 Gramm (=178 Gran) wog und der Vorgänger der modernen indischen Rupie war, diente diesem Zweck. Den Namen „Rupie“ erhielt die Münze erst 1612.[5]

Zunächst gab es die Rupie, hergestellt aus Silber, nur in Form von Münzen. Die ersten Papierrupien wurden erst im 18. Jh. unter anderem durch die Bank von Hindustan und der Bengalischen Bank eingeführt. Die Sprachen auf den Banknoten, abhängig von welcher Bank gedruckt, waren Urdu, Bengali oder Nagri. Die Rupie war nicht die einzige Währung Indiens. So gab es gleichzeitig unter der britischen Herrschaft, bis 1815, eine weitere Währung, die Fanam. Diese hatte einen Wechselkurs von 12 Fanams = 1 Rupie.[6]

Datei:Silver Rupee Madras Presidency.JPG
Silberrupie der britischen Präsidentschaft Madras im Mogulstil, geprägt zwischen 1817 und 1835

Im Jahre 1825 wurde von der britischen Krone ein Befehl zur Einführung des britischen Pfundes in den beherrschten Kolonien gegeben. Obwohl Indien zum Großteil, zu diesem Zeitpunkt, von der British East India Company kontrolliert wurde, blieb Rupie weiterhin, über den gesamten Zeitraum der Kolonialisierung, die Währung Indiens.

Erst im Jahre 1858 schafften die Briten alle Provinzen Indiens unter ihre Herrschaft zu bringen. Um ihre Macht zu präsentieren wurden im gleichen Zug die ursprünglichen Prägungen der Rupie durch die Portraits des britischen Monarchen ersetzt. Es gab einige Versuche seitens der britischen Regierung die Rupie zu ersetzen. Im Jahr 1864 scheiterte der Versuch den Gold Sovereign einzuführen. Beginnend in Bombay und Calcutta sollte dieser die Rupie komplett ersetzen. Jedoch ist es nie dazu gekommen, aufgrund der Feststellung, dass alte Gewohnheiten nur schwer zu ändern sind. Solche Vorhaben seitens der britischen Regierung waren bereits in anderen Kolonien wie Canada oder Hong Kong gescheitert. Letztendlich wurde das von der British East India Company angestrebte Ziel aufgegeben und die Rupie blieb weiterhin die Währung Indiens.[7] Um den seit 1875 stärker werdenden Wertververlust der Rupie gegenüber dem Pfund aufzuhalten, da dies zu einer Schieflage der Staatsfinanzen führte, garantierte man ab 1898 den Wert der Rupie auf Goldbasis. Eine Rupie entsprach nun 1/15 £.[8]

Nachdem Indien im Jahr 1947 seine Unabhängigkeit erlangte, wurde genau 3 Jahre später die indische Rupie erstmals, als Währung der neuen Republik emittiert. Sie bestand jetzt aus 16 Annas, was 64 Paise (1 Anna = 4 Paise) entsprach. Das Aussehen wurde verändert, zurück zu traditionellen Symbolen und auch das Fertigungsmaterial wurde durch Bronze, Nickel oder Kupfer ersetzt.[9]

Im Jahre 1957 wurde erstmals das Dezimalsystem in der indischen Währungprägung eingeführt. Die Rupie bestand nun aus 100 Naye Paise (Hindi: Neue Paise). Die neuen Münzen hatten unterschiedliche Formen, während die Prägungen einheitlich blieben, das Löwenemblem auf der Vorderseite und der Nennwert der Münze auf der Rückseite. Im Jahre 1964 wurde das Wort Naye verworfen, so blieb nur der Name Paise bestehen. Die neue Serie der Münzen wurde 1965 eingeführt und bestand aus bislang ungenutzten Materialien; so wurde die neu emittierte Paise aus Aluminium gefertigt.[7]

Münzregal der Fürstenstaaten

Zur Zeit der ostinidischen Kompanie schlugen etliche Fürstenstaaten Rupien nach dem Mughal-Vorbild. Nach dem Sepoy-Aufstand wurden die persischen Inschriften durch Königin Victoria oder den lokalen Herrscher ersetzt, ein Vorgang der etwa 1872 abgeschlossen war. Die Kolonialherren prüften die Ansprüche einzelner Staaten auf das alte Recht eigne Münzen zu prägen und gestanden das Münzregal nur 34 zu. Um eine gewisse Standardisierung zu erreichen, bot das Government of India 1876 den Staaten an, ihre Münzen gebührenfrei in zentralen Münzstätten für sie zu prägen. Nachdem die Kostenfreiheit 1893 widerrufen wurde, verzichteten die meisten Staaten auf eigene Münzen.

Hyderabad, Mewar (Udaipur), Jaipur, Travancore, Kutch, Gwalior, Jodhpur, Indore und Baroda verausgabten bis 1947 regelmäßig Silber- und Kupfer-Münzen, einige Staaten prägten gelegentlich Kleingeld aus Kupfer. Jodhpur und Kutch verausgabten jährlich Münzen mit der Büste des britischen Souveräns, so auch 1936 die einzigen Münzen des Empires mit dem Porträt von Edward VIII. die tatsächlich umliefen.[8]

In einigen Fürstenstaaten, war die Rupie anders gestückelt, so z.B. in:[10]

  • Bamra (C. P.), Punch (Kashmir): 1 Anna = 4 Paisa = 12 Pies
  • Bastar, ca. 1862: 240 Kauri = 1 Dogani; 10 Dogani = 1 R.
  • Cochin: 12 Pies = 6 Puttans = 1 Anna
  • Faridkot (Punjab): 1 Anna = 4 Paisa = 8 Fulus
  • Nawanagar: 1 Anna = 6 Dokra
  • Soruth, bis 1913: 16 Kori-Anna = 1 Anna, 4 Kori = 1 R.
  • Travancore: 1 R. = 28 Chukram, 1 Chukram = 16 Cash

Der Fall der Rupie

Veränderung des Preises für Silber und Wechselkursänderungen der INR in britischen Pence[11]
Jahr Unze Silber Indische Rupie
1871-1872 60½ 23 ⅛
1875-1876 56¾ 21⅝
1879-1880 51¼ 20
1883-1884 50½ 19½
1887-1888 44⅝ 18⅞
1890-1891 4711/16 18⅛
1891-1892 45 16¾2
1892-1893 39 15

Im Gegensatz zu den ökonomisch stärksten Währungen, war die Rupie eine Silbermünze. Daher kam es im Jahre 1873 zu einer drastischen Abwertung der Rupie als in den USA große Silbervorkommen entdeckt wurden und der Preis für das Edelmetall und dessen Verhältnis zum Gold auf den Märkten deutlich gesunken war. Die Rupie an außenwirtschaftlicher Kaufkraft und es kam zu einer ökonomischen Krise in Indien. Aufgrund dieser Entwicklung und unter dem Einfluss der britischen Regierung wechselte Indien 1898 zum Goldstandard. Gleichzeitig wurde Rupie an den Britischen Pfund Sterling gebunden, mit einem festen Wert von 15 Rupien = 1 Britischer Pfund. Dieser Wechselkurs änderte sich im Verlauf der Jahre:

1920: 10 Rupien = 1 Britischer Pfund 1927: 13 ⅓ Rupien = 1 Britischer Pfund 1966: 8,7 Rupien = 1 Britischer Pfund bzw. 7,5 Rupien = 1 US Dollar.

Im Jahr 1966 wurde die indische Rupie an den US Dollar gebunden. Diese Bindung blieb bis 1971 bestehen.[12]

Das Indische Zahlensystem

Das Indische Zahlensystem, welches heute immer noch in Indien, Pakistan, Myanmar und Bangladesch verwendet wird, weist einige Besonderheiten auf. In diesem System werden bei größeren Zahlen, zur besseren Übersicht, 2 Dezimalstellen miteinander gruppiert anstatt 3 Stellen wie es in Europa üblich ist. Außerdem werden einigen Zahlen eigene Namen zugewiesen. Dieses Zahlensystem wird auch im Umgang mit der Währung benutzt. So könnte man die Zahl 400.000 Rupien als Rs. 4 Lakh oder Rs. 4,00,000 schreiben.[13][14][15]

Sicherheitsmerkmale der modernen indischen Rupie

Wasserzeichen– der weiße Seitenrand der Banknoten ist geprägt durch das Portrait von Mahatma Gandhi.[16]

Sicherheitsstreifen – die Banknoten haben ein silbernes Band auf welchem sich eine Inschrift, in Hindi und in Englisch befindet, welche erscheint, wenn man die Banknote ins Licht hält.[16]

Latentes Bild – Banknoten ab 20 Rupien zeigen ihren Wert wenn man die Scheine horizontal auf der Augenhöhe hält.[16]

Mikroschriften – zwischen dem latenten Bild und dem Sicherheitsfaden befindet sich eine Schrift, die mit Hilfe eines Vergrößerungsglases, zu sehen ist.[16]

Fluoreszenz – der Nennwert der Banknote leuchtet unter dem UV-Licht.[16]

Optisch Variable Druckfarbe – die Zahl auf den Rs.500 und Rs.1.000 verändert ihre Farbe abhängig von dem Winkel aus welchem die Scheine betrachtet werden.[16]

Tiefdruckschrift – einige Symbole und Bilder, wie z. B. der Siegel der Reserve Bank of India sind mit Tiefdruck erstellt, so kann man diese einfach ertasten. Dieses Sicherheitsmerkmal ist nur auf Scheinen über 20 Rupien zu finden.[16]

Kunststoffgeld

Die Reserve Bank of India plant eine Auswechselung des traditionellen 10 Rupien Scheines durch einen der aus Polymer hergestellt wird, dadurch wird erhofft die Lebensdauer der Scheine um das Vierfache zu verlängern, auf eine durchschnittliche Lebensdauer von 5 Jahren. Der Vorteil der neuen Banknoten besteht zusätzlich darin, als das es weniger Schmutz an den Scheinen haftet und diese dadurch sauberer bleiben. Der Aufsichtsrat der Zentralbank hat sich entschieden 10 Mio. Banknoten mit Nennwert 10 Rupie zu emittieren. Die Einführung der Kunststoff Banknoten wurde bereits in anderen Ländern durchgeführt, wie z. B. Australien oder Neuseeland.[17]

Öffentlicher Wettbewerb für das neue Symbol der Indischen Rupie

Der Finanzminister Indiens rief zu einem öffentlichen Wettbewerb aus, für die Erstellung des neuen Designs der indischen Rupie. Die wichtigsten Währungen der Welt haben eigene Identifikationssymbole, so z. B. der US-Dollar mit „$“ oder der europäische Euro mit „€“. Das Ziel des Wettbewerbes ist es die Erstellung eines Identifikationssymbols für die indische Rupie, welches einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Die Anforderungen an das neue Symbol sind hoch. Es soll unter anderem traditionelle, historische und kulturelle Werte Indiens beinhalten. Nur den indischen Bürgern ist es gestattet an dem Wettbewerb teilzunehmen. Jede Bürger darf gegen eine Gebühr von 500 Rupien an dem Wettbewerb teilnehmen. Das Endsymbol wird von einer 7-köpfigen Jury gewählt, bestehend aus Mitarbeitern der Regierung Indiens und der Zentralbank. Dem Gewinner des Wettbewerbes steht ein Preisgeld in Höhe von 25.000 Rupien zu.[18]

Literatur

  • Bhimrao Ramji Ambedkar: The problem of the rupee: It's origin and its solution (history of indian currency & banking), Chapter 2, Rajagraha, Bombay, 7. Mai 1947

Weblinks

Vorlage:Commons

Einzelnachweise

  1. Rupee, Classic Encyclopedia, based on the 11th edition of the Encyclopaedia Britanica, von 1911
  2. rupee, Online Etymology Dictionary
  3. SANSKRITRUPEE (Hindustani rupiya, from Sanskrit rupya), Online Encyclopedia based on original, classic Encyclopedia Britannica, 11th Edition, Volume V23, Page 855.
  4. Royal Bank of India: Indian Coinage: An Overview
  5. ADVFN: Indian Rupee
  6. RBI Monetary Museum
  7. 7,0 7,1 CRN India:Currencies: INDIAN RUPEE
  8. 8,0 8,1 Parmeshwari Lal Gupta; Coins; New Delhi 42000; ISBN 81-237-1887-X; Kap. "Princely States"
  9. Republic India Issues
  10. Michel Briefmarkenkatalog Europa-Übersee 1934; Leipzig
  11. B.E. Dadachanji. History of Indian Currency and Exchange, 3rd enlarged ed. (Bombay: D.B. Taraporevala Sons & Co, 1934), s.15.
  12. ambedcar.org: Bhimrao Ramji Ambedkar: The problem of the rupee: its origin and its solution (history of indian currency & banking), Chapter 2, Rajagraha, Bombay, 7. Mai 1947
  13. indopedia.org: Indian numbering system
  14. Worldchanging: Alex Steffen: Indian Numbering System, 29. Dezember 2004
  15. All Experts Encyclopedia: Indian numbering system
  16. 16,0 16,1 16,2 16,3 16,4 16,5 16,6 Royal Bank of India: Security Features of Indian Banknotes, Sicherheitskennzeichen auf den Banknoten
  17. Hindustantimes: RBI to introduce 100 crore Rs 10 plastic notes, 8. September 2009
  18. BBC NEWS, South Asia: Geeta Pandey: Indian contest for rupee symbol, 5. März 2009